So, nachdem ja jetzt schonmal alle Tickets für die Hinfahrt gekauft sind und die Wäsche vom Vorabend frisch gewaschen im Hof hängt geht es also am Samstag morgen richtig mit packen los. Vorher wird allerdings noch Iki angerufen um einen schönen Geburtstag für den nächsten Tag zu wünschen, denn im Dschungel finde ich bestimmt kein Telefon um ihr zu gratulieren (das ist leicht übertrieben, denn obwohl unser erstes Ziel Palenque tatsächlich im Dschungel liegt, befinden wir uns doch noch in zivilisiertem Gebiet). Am Ende reicht die Zeit gerade so aus…obwohl eigentlich nicht viel in meinen Koffer wandert, hauptsächlich T-Shirts, ein para Shorts, nur eine einzige Jeans und ein Pulli, denn angeblich herrscht in Chiapas ein schwül-heisses Klima, so sehr, dass ich schon Sorge hatte die Woche vor lauter Hitze und Schweiss gar nicht geniessen zu können. Doch ausserdem will natürlich auch noch Reisepass und Visum zusammengesucht und sicher verstaut werden…man weiss ja nie und dann noch der übliche Kleinkram wie Waschtasche, Ladegeräte, Badesachen etc. Am Ende läuft es auf eine volle, aber nicht aus den Nähten platzende Reisetasche hinaus, noch durchaus vertretbar
. Und dann steht Andrés auch schon vor der Tür. Wir hatten ausgemacht, dass er mich mit dem Taxi abholen kommt, sein Auto wollte er auf dem sicheren, weil bewachten, Parkplatz der Tec abstellen, mein Haus liegt von dort aus auf dem Weg zum Busbahnhof. Entsprechend verdutzt schaue ich aus dem Häuschen, als er mit seinem VW Pointer da steht. Wie jetzt? Da hatten wir uns wohl missverstanden…er meinte wohl, wir würden zusammen zur Tec fahren und von dort aus dann mit dem Taxi, nur reicht die Zeit dafür überhaupt nicht mehr, das müsste ihm doch auch aufgefallen sein?! War es wohl nicht. Kurz entschlossen fragen wir Becerras, ob das Auto vor der Haustür stehen bleiben kann, kann es. Also nun aber flott, wir laufen bis zur Strassenecke, winken uns ein Taxi herbei und schon sind wir unterwegs. Am Bahnhof angekommen läuft auch alles mit unseren per Telefon gekauften Fahrkarten glatt, die wir nun abholen und 10 Minuten später sitzen wir auch schon im Primera Plus Bus Richtung Mexico City, Terminal Norte. Der Bus ist ein wahrer Traum und wir grübeln und hoffen ob der von Mexico City nach Palenque wohl genauso gut ausgestattet sein wird, obwohl er zu einer anderen Gesellschaft gehört. Mit wenig Verkehr auf den Strassen kommen wir sogar etwas früher an als geplant und nachdem wir auch hier unsere bereits bezahlten Tickets abgeholt haben, stärken wir uns erstmal mit Orangensaft und kaufen gleicht noch Salat (sowohl Obst- als auch grün) für die Fahrt, man muss sich ja nicht immer nur mit Chips vollstopfen (ok, die habe ich trotzdem noch gekauft, immerhin stehen 15 Stunden am Stück vor uns). Dann geht es weiter, diesmal mit ADO, der Bus leider nicht ganz so toll wie der erste, trotzdem aber noch sehr luxuriös im Vergleich zu deutschen Reisebussen. Wir machen es uns also bequem. Ich hatte im Internet gelesen, dass die Klimaanlage aus Prinzip auf unter Null Grad gestellt wird und deshalb Schal, Decke und ein extra Paar Socken mitgenommen, weise Vorraussicht wie sich wenig später herausstellt. Zu meinem grossen Entsetzen erweist sich nach der Hälfte des ersten Films der Fernseher als mittel unbrauchsam, der Bildschirm ist mehr schwarz als farbig, immer wieder verschwindet das Bild ganz. Was für eine Enttäuschung, wo ich doch kurz vorher noch Andrés verkündet habe, dass mit ein paar durchschnittlichen Filmen die Reise wie im Flug vergehen wird. Pustekuchen, daraus wird wohl nichts. Irgendwann stimme ich dann aus Verzweiflung zu Sudoku zu spielen, nur um nach 20 Minuten das Spiel zu verwünschen
. Während wir uns überlegen wie heiss es wohl in Palenque sein wird, schlussfolgern wir, dass aufgrund von Temperatur und Feutchtigkeit wohl auch jede Menge Kakerlaken vor Ort sein dürften und etablieren schon Mal, das Andrés für die möglichst unauffällige Tötung und beseitigung verantwortlich ist (die wirksamste Methode ist mit Schwung draufzutreten, allerdings macht das ein recht unangenehmes Geräusch wenn der Panzer knackt und man riskiert ausserdem Kakerlakenreste an der Schuhsohle kleben zu haben – am Ende wird sich diese Unterhaltung als irrelevant herrausstellen, wir haben keine einzige Kakerlake gesehen). Bei den 2 Pausen die wir im Süden einlegen schlägt uns beim verlassen des Buses eine Wand aus Feuchtigkeit und Hitze entgegen, wohl auch weil die Klimaanlage im Businneren eher an Eiszeit als Sommer erinnern lässt. Trotz alle dem kommen wir dann gegen 8 Uhr morgens in Palenque an und lassen uns per Taxi in eine kleine Hostel – und Cabaña Ansammlung nahe der Ruinen fahren. Wir haben Glück, obwohl nicht reserviert gibt es eine Cabaña (kleine Hütte) mit 2 Betten für die Nacht, das ganze für 260 Pesos, ca 7 Euro pro Person. Wir stellen also unsere Sachen ab, ziehen uns leichtere Kleidung an und laufen vor zur Starsse wo uns ein Collectivo (wie ein Mini-Bus) zu den Ruinen bringen soll. Auf dem Weg dorthin stolpern wir noch über einen Tour-Veranstaltung und buchen direkt für den Nachmittag: Agua Azul und Misol-Ha, zwei Wasserfälle in der Nähe. Die Aussicht bei dieser Hitze schwimmen zu gehen erscheint himmlisch. Nun aber wirklich zu den Ruinen. Die liegen von Wald umgeben und sind sehr eindrucksvoll, aber es herrscht auch eine Affenhitze. In kürzester Zeit bin ich total verschwitzt, wohl auch, weil wir ehrgeizig auf jede einzelne raufklettern (später werden wir dann etwas nachlässiger). Wir schiessen also fleissig Touri-Bilder, laufen das gesamte Arsenal ab, das in Wirklichkeit nur ca 5 % der Maya-Stadt ist, der Rest ist noch nicht freigelegt, halten nach Affen und anderen Dschungel-Tiern Ausschau (leider vergebens) und gehen anschliessend noch ins Museum vor Ort. Um Punkt 12 Uhr warten wir dann auf unseren Tour-Bus, der ganze 40 Minuten auf sich warten lässt. Irgendwann ist er dann aber da und es geht los, zuerst zu dem kleineren Wasserfall, an dem nur eine halbe Stunde und somit kein Schwimmen eingeplant sind. Nett, aber nicht riesig beeindruckend. Hier erstehe ich dann auch meine erste von 2 typischen weissen Blusen mit Stickereien. Weiter geht´s also zu Aguas Azul, drei Stunden sind geplant und schon bei der Ankunft merkt man, dass die ganze Anlage wesentlich grösser angelegt ist. Auf der „Suche” nach dem Wasserfall laufen wir vorbei an unzähligen Esss – und Souvenirständen. Dann kommt er in Sicht, der Name passt, dass Wasser sieht tatsächlich verlockend blau und klar aus und im Hintergrund rauscht wunderbar ein riesiger Wasserfall. Das einzige Problem – praktisch jeder Quadratmeter am Ufer ist schon belegt . Während wir noch so den Wasserfall bestaunen und darüber grübeln wo wir uns wohl am besten niederlassen sehen wir ein kleines Floss, dass an einer Leine festgemacht auf dem Wasser dümpelt und scherzen, ob wir es uns nicht darauf bequem machen sollten. So richtig Ernst nimmt das keiner von uns beiden, denn alleine die Tatsachen, dass bei so überfüllten Ufern das Floss leer daliegt, spricht dafür, dass es nicht für Touristen und zum Spass, sondern eher zum überqueren des Wassers gedacht ist. Nach ein bisschen rumwitzeln beschliesse ich dann tollkühn es einfach zu wagen, mehr wieder runtergeschmissen zu werden kann ja eigentlich nicht passieren. Und klettere ich durch die kleine Absperrung, wate zum Floss, ziehe es an Land um Andrés und die Sachen darauf zu verstauen und mache es schliesslich neben einer winzigen mit Sträuchern bewachsenen Insel fest, die uns ein wenig Schatten spendet. Was ein Paradies! Auf dem Wasser, mit Schatten und ein Platz ganz für uns, wir können unser Glück kaum glauben
. So geniessen wir schwimmend und im Halbschatten liegend den Nachmittag und ich hole zwischendurch, mit Portmonnaie zwischen die Zähne geklemmt zum Ufer schwimmend frische und schon zugeschnittene Mango mit Chile und Limone um uns zu stärken. Auf dem Rückweg lassen wir uns fälschlicherweise im Zentrum, statt in unserer Bleibe abliefern, nutzten die Gelegenheit aber, um schon die Tickets für die morgige Weiterfahrt zu kaufen, es soll nach Ocosingo gehen, dort befinden sich die Ruinen von Toniná und da es auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel San Cristóbal liegt, scheint ein Zwischenstopp praktisch. Zurück in unserer Bleibe werden nur schnell die Sachen abgelegt und weiter geht´s zum Restaurant der kleinen Hostel-Siedlung, dass sich eines ausgezeichneten Rufes erfreut. Wir teilen uns einen Salat und eine Pizza, die beide tatsächlich super schmecken und geniessen dabei live Musik. Anlässlich einiger Mitreisenden zu den Wasserfällen am Nachmittag, verstricken wir uns in eine Diskussion über Homosexualität, ein Thema, dass in México noch nicht annähernd soviel Toleranz erfährt wie in Deutschland. Andrés Hauptaussage: Er finde es Ok, im Prinzip sei es ihm egal, aber für „natürlich” halte er es nicht. Ein bisschen erschrocken bin ich über diese zwar nicht diskrimminierende aber dennoch deutlich ablehnende Haltung schon. Schliesslich habe ich habe ich einige homosexuelle oder bisexuelle Freunde und hatte mir von Andrés, meinem besten Kumpel hier in México den ich sehr schätze, schon eine offenere und tolerantere Haltung erhofft. Wir geraten in eine hitzige Diskussion in der jeder versucht dem anderen mit allerhand Beispielen und Szenarien von seiner Ansicht zu überzeugen, wobei wir das ganze zum Glück nicht persönlich nehmen und es schaffen uns in den kleinen Pausen noch anzulächeln. Es macht Spass mit Andrés zu diskutieren, wohl nicht zuletzt weil ich am Ende das Gefühl habe ihn zumindest etwas nachdenklicher an die Sache herangehen zu sehen. Nach dem Essen schauen wir noch bei einer Bar um die Ecke vorbei, auch hier Live-Musik im Freien mit einer angenehmen und relaxten Atmosphäre und lassen hier den Abend ausklingen. Jetzt nur noch schnell duschen und dann ab ins Bett, es war ein langer, anstrengender, aber auch sehr schöner Tag nach einer noch längeren Busreise. In der Nacht schlafe ich wie ein Baby.
Am nächsten Morgen stehen wir schon früh auf, unser Bus nach Ocosingo fährt um 9:10 ab, um 8:50 sollen wir an der Station sein. Also raus aus dem Bett, gleich nochmal unter die Dusche (obwohl es in der Nacht überraschenderweise nicht sonderlich heiss war, wohl auch dank des Ventilators im Zimmer), Sachen zusammen sammeln, Schlüssel abgeben, Kaution entgegennehmen und los geht´s. Zum letzten Mal laufen wir zur Strasse vor und warten auf einen Collectivo, der uns mit ins Zentrum nimmt. Wie wir da so stehen, unsere Taschen am Strassenrand abgestellt, weil alles daneben leicht matschig ist, kommt ein Bus vorbei und fährt, nachdem er sie mit dem Vorderrad leicht verfehlt hat, doch tatsächlich mit dem Hinterrad über meine Reisetasche. Ich kann mir das ganze nur Perplex anschauen und reagiere nicht schnell genug um sie noch wegzuziehen (was wohl auch nicht ganz ungefährlich gewesen wäre). So ein Ar***! Auf den ersten Blick scheint sie nur dreckig, als ich dann aber am nächsten Tag meinen I-pod Shuffle aus der Tasche nehme, traue ich meinen Augen nicht. Total verbogen der kleine, und die Kopfhörer sind auch zerbrochen. Magischerweise funktioniert er trotzdem noch, auch wenn ich ihn etwas zurecht biegen muss damit er in die Ladestation passt . Wir fahren also, ich immer noch leicht aufgewühlt wegen der Taschenaktion, mit dem Collectivo zur Busstation und von dort aus wie geplant nach Ocosingo. Dort kaufen wir Tickets für die letzte Fahrt des Tages nach San Cristóbal um 17 Uhr, geben unser Gepäck ab und nehmen uns ein Taxi, dass uns zu einer Collectivo-Station bringen soll, von wo aus es dann zu den Ruinen geht. Keinen Block im Taxi gefahren sehe ich draussen Mally und Elise vorbeilaufen, zwei Internationals von der Tec, mit denen wir uns in Chiapas treffen wollten um zusammen ein paar Tage zu reisen, sie waren schon am Donnerstag Abend losgefahren. Das Taxi hält kurz an, ich springe raus und erfahren, dass sie gerade von den Ruinen zurück und jetzt auf dem Weg nach San Cristóbal sind. Wir verabreden uns für Abends und weiter geht´s im Taxi. An der Collectivo-Station kaufen wir uns im gegenüberligenden Laden Panque (ähnlich Madeleines) und Trinkyoghurt. Nach 20 Minuten Fahrt sind wir bei den Ruinen und nach 5 Minuten zu Fuss kommen wir an einem kleinen Café im freien vorbei und beschliessen unser Panque mit einem Kakao (Andrés) und einem Cappuchino (ich und es ist der Moment in dem meine Liebe zu Chiapas – Kaffeeprodukten beginnt) aufzuwerten – lecker! Dann geht es zu den Ruinen, wieder unmengen von Stufen, die mit einem tollen Panoramablick belohnt werden, natürlich alles mit Fotos dokumentiert. Nach einer kleinen Pause im Schatten und einem Eis beim gleichen Café auf dem Rückweg geht es mit dem Collectivo zurück in die Stadt. Mittlerweile schon halb vier beschliessen wir noch Mittag zu essen bevor wir die Weiterfahrt antreten und lassen uns im Käfer-Taxi zu einem Restaurant aus meinem Guide-Buch choffieren, dass mit der Zapatista Bewegung symphatisiert und tolles Essen haben soll. Während wir warten, rufen wir ein Hostel in San Cristóbal an und obwohl wir uns schon Sorgen bzgl. Kapazität gemacht haben, sind wir schon bei dem ersten erfolgreich und reservieren für die Nacht, danach wälzen wir die ausgelegten Ordner mit Zeitungsartikeln über die Zapatista Bewegung und Geschehnisse der letzten Jahre. Leider braucht das Essen etwas lange, so dass wir am Ende leicht schlingen müssen um noch rechtzeitig zum Busbahnhof zu kommen, es klappt aber noch alles und wie das immer so ist fährt der Bus am Ende mit reichlich Verspätung ab.
In San Cristóbal angekommen laufen wir zu unserem Hostel und ich wundere mich ein bisschen über die Schwärmereien in meinem Guide-Buch, auf mich macht die Stadt keinen besonderen Eindruck (erst am nächsten Tag überzeugt mich die Stadt und wird zu meinem absoluten Favorit in ganz México. Das Klima ist dank der Höhenlage sehr viel gemässigter als noch im nur 3 Stunden entfernten Palenque und kühlt Nachts kräftig ab und die ganze Stadt ist mit kleinen Cafés und Restaurants gespickt und gibt in den Bergen gelegen einen pitoresken Eindruck ab). Wir finden unser Hostel, beziehen das Zimmer, duschen schnell und dann treffen wir auch schon Mally und Elise am Hostel-Eingang. Wir entschliessen uns für eine Café-Bar Mischung und machen es uns in Sesseln bequem während wir die nächsten Tage planen. Für morgen einigen wir uns auf eine halb-tägige Tour zu zwei nahe gelegenen Dörfern, das eine davon San Chamula, über Méxicos Grenzen hinaus bekannt für seine Unabhängigkeit vom Rest des Landes, sie lassen nicht mal Polizei ins Dort, haben ihre eigenen Gesetze und Lebensweise. Irgendwann taumeln wir dann schlaftrunken zurück zum Hostal und hauen uns aufs Ohr, auch morgen geht es recht früh los, aufstehen ist für kurz vor 8 Uhr geplant.Nachdem die Tour am nächsten Morgen gebucht ist bleibt noch etwas Zeit zum Frühstücken. Andrés und ich machen uns also auf die Suche und werden auch schnell fündig, allerdings stellt sich heraus, dass hier gerade heute die Kaffeemaschine streikt. Also weitersuchen. Am Ende fällt unsere Wahl auf ein kleine Eck-Café, dass gleichzeitig eine Art kleiner Laden für Artesanias und Kaffee ist. Und der Kaffee ist: köstlich! Genau wie die heisse Schokolade für die Andrés sich entscheidet. Dazu gibt´s Pan dulce aus der Bäckerei gegenüber, so beginnt man den Tag richtig
. Dann geht´s im Laufschritt zurück zum Hotel und von dort aus zusammen mit Mally und Elise zum Tour Office. Bis es dann richtig los geht dauert es mal wieder etwas…typisch mexikanisch eben. Die Dörfer stellen sich als interessant heraus. Das erste sehr traditionell aber dennoch in das mexikanische Regierungs- und Rechtssystem eingebunden. Das 2., San Chamula, der grelle Gegensatz. Während politisch gänzlich abgeriegelt von der Aussenwelt ist hier eine bunte Mischung aus Fortschritt/Technik und Tradition zu sehen. Die Autos auf den Strassen sind auch schon mal das neueste Modell, trotzdem wird überwiegend die traditionelle Kleidunga aus struppiger Schafwolle getragen. Das gleiche Bild trifft auf die Religion zu, traditionell wird aus allen möglichen Gründen Posh getrunken, ein hochalkohol haltiges Getränk, auch in der Kirche. Rülpsen wird als Zeichen dafür gesehen, dass die Seele deinen Körper verlässt um dann gereinigt wieder aufgenommen zu werden. Dies wurde früher durch ein in einem langwierigen in der Erde gebrautem Getränk herbeigeführt und heute, pragmatisch wie die Mexikaner sind, durch Cola ersetzt. Naja, diese bunte Mischung erscheint mir, wenn auch interessant und teilweise lustig anzusehen, etwas fraglich. Obwohl mit Jeans, Turnschuhen und sogar einem Pulli ausgerüstet macht uns die kühle Höhenluft zu schaffen und zurück in San Cristóbal sind wir alle reichlich durchgefroren. Da es eh Mittagszeit ist, beschliessen wir essen zu gehen und uns dabei ein wenig aufzuwärmen. Danach erkunden wir die Stadt ein wenig und um 20 Uhr geht es dann in ein Kulturzentrum um uns einen Dokumentarfilm über die Entwicklung der Zapatista Bewegung anzuschauen, was äusserst interessant und zumindest für mich dringend notwendig war. Beim rausgehen passieren wir das Restaurant des Hauses in dem auch ein offener Kamin einladend seine Flammen spielen lässt und so beschliessen wir uns hier für einen Drink niederzulassen. So lassen wir den Abend (ich bei einem Glas Wein) verstreichen, starren ins Feuer, unterhalten uns und geniessen das Leben.
Für Mittwoch haben wir uns vorgenommen die Stadt gründlich zu erkunden und die teilweise sehr interessanten Museen zu erkunden. Nach einem platano-granola Liquado (Mischung aus Banane, Milch und Müsli, alles im Mixer gemischt und super lecker) meinerseits und einem platano-avena Liquado für Andrés (das ganze mit Haferflocken statt Müsli) und einem kleinen Umzug in ein anderes Hostel mit besseren Betten und einer tollen Terasse (ich hatte im alten nicht besonders gut geschlafen) geht es weiter zum Treffpunkt mit Mally und Elise, die in einem anderen Hostel untergekommen sind. Zuerst geht es zum Museum für Maya-Medizin. Etwas ausserhalb gelegen laufen wir dafür durch die Vororte San Cristóbals und kommen dann zu dem kleinen und liebevoll bestückten Museum. Hier werden Riten erklärt wie: wie viele Kerzen welcher grösse und Farbe muss ich kaufen und anzünden um dies und jenes zu heilen, aber auch, wie die traditionelle Geburt verläuft, bei der die Frau das Kind knieend (!) und halb in den Armen des Mannes der vor ihr sitzt zur Welt bringt (das gab es auch als Video dokumentiert zur Veranschaulichung). Danach geht es zum Bernstein-Museum, eine weitere Spezialität der Region. Nach dem Mittagessen wird dann der grosse Artesania-Markt erkundet und einzig die Tatsache, dass ich jetzt schon übergepäck habe, hält mich davon ab Berge zu kaufen. Trotzdem, vor allem die günstigen Ledertaschen, die es hier in Tausend und einem Design gibt, haben es mir angetan. Gekauft wird für´s erste, abgesehen von einer Kleinigkeit für Ronja, nichts. Mittlerweile ist es schon früher Abend, und Andrés und ich gehen unsere Mittags abgegebene Wäsche abholen, ein Puli und eine Jeans waren bei den kühlen Temperaturen San Cristóbals wohl doch nicht genügend. Danach geht es zu einer Theateraufführung für die wir schon morgens Tickets erstanden hatten. Thema: die Auseinandersetzungen zwischen den Herrschern von Toniná und Palenque. Fazit: die Kostüme sind toll, die Inszenierung insgesamt überzeugt mich nicht, denn die Dialoge werden in der traditionellen Sprache der Mayas gesprochen, so dass das lesen des Programms vorab Pflicht ist um überhaupt einen Schimmer zu haben was da vor sich geht, und auch damit muss man es sich eher zusammenreimen. Nun ja, so teuer waren die Tickets auch nicht.
Für Donnerstag Vormittag hatten wir uns überlegt eine Fahrrad-Tour zu machen, dafür geht es wieder früh aus den Federn, auf dem Weg noch schnell ein Liquado getankt und um 8.15 Uhr stehen wir vor der Tür des Veranstaltes. Nachdem wir mit Unterschrift unsere Selbsthaftung im Falle eines Falles bestätigt haben, werden Fahrräder und Helme angepasst und es geht los. Die Gruppe ist relativ überschaubar, ein mexikanisches Pärchen, ein alleinreisender New Yorker Programmierer und wir vier. Schon bei dem kruzen Stück aus der Stadt raus kommen wir ganz schön ins Schwitzen, ist eben doch nicht das selbe wie Spinning, wo du selbst entscheidest wie steil die Anhöhe ist und wann sie aufhört. Kaum sind wir im freien Gelände wird´s noch steiler, und das für ganz schön lange Strecken und ich beginne mich zu fragen, warum ich eigentlich so begeistert von der Idee war eine Mountainbike-Tour zu machen? Doch jetzt ist es eh zu spät und so mühen wir uns einer nach dem anderen hinau – und werden wenig später belohnt…denn wo es raufgeht, da geht es irgendwann auch wieder runter und die Abfahrt ist toll. So radeln wir ca 3 Stunden durch die bergige Landschaft um San Cristóbal herum. Als wir dann zurück sind wird natürlich erstmal ausgiebig geduscht – tut das gut! Danach geht´s zum Mittagessen, der New Yorker kommt auch mit. Bei dem anschliessenden Versuch das Kaffee-Museum zu besichtigen werden wir enttäuscht, heute und morgen geschlossen, wegen Osterfeiertagen wie sich später herrausstellt. So ein Mist, das wäre bestimmt interessant gewesen. Stattdessen geht es nochmal zum Rundgang auf dem Markt in dessen Gassen man sich leicht verirren kann. Nach einem revitalisierenden Kaffee für Andrés und mich auf dem Zocalo (Mally und Elise vergnügen sich derweil anderwertig) und einem kurzen Abstecher ins Hostel, treffen wir uns vor einer der vielen Kathedralen wieder und geniessen das Leben der Mexikaner und Touristen für eine Weile an uns vorbeitreiben zu lassen. Dann beschliessen wir, heute mal auf dem kleinen „Essensmarkt” hier zu essen und Andrés erklärt sogleich er werde ALLES probieren, eine Drohung die er wenig später ehrgeizig verfolgt . Zuerst wird allerdings noch Cerveza vom Oxxo besorgt, denn was sind schon Tacos ohne die entsprechende Flüssige Beilage. Zusammen starten wir mit je einer riesen Quesadilla, die je nach Geschmack mit Huhn, Chorizo (ihhh! Schweinehaut), Rind oder Schwein. Weiter geht es mit Pizza von einem anderen Stand, doch schon hier hängt Andrés Mally und mich ab (Elise hält noch mit). Weiter geht es dann für ihn mit Tamal mit Mole (eine Tasche aus Maismehl mit typischer chiapaneco Füllung. Langsam fängt er nun aber an zu schwächeln. Als nächstes stehen Churros mit fritierter Banane an, die ich mir mit ihm teile – mhhh, lecker! Dann gibt es noch einen Pancake mit lechera und cajeta den wir uns alle teilen und zum Schluss heissen Früchtepunsch (allerdings ohne Alkohol, wobei der unserer Verdauung im Moment wahrscheinlich gut tun würde). Es kommt wie es kommen musste, wenig später ist uns allen, manchen mehr und manchen weniger, schlecht, inklusive Bauchschmerzen. Es passt eben doch nur ein bestimmtes Volumen in den Magen
. Nachdem wir noch eine Weile zufrieden (im Sitzen geht es) das treiben beobachten geht es in die jeweiligen Betten.
Freitag, es ist unser letzter Tag in Chiapas. Andrés und ich haben uns entschlossen, wie auch Mally und Elise schon am Freitag Abend nach Querétaro aufzubrechen und dafür noch etwas von den heimischen Osterfeierlichkeiten mitzubekommen. Die Alternative wäre die Weiterfahrt nach Tuxla, der Bundeshauptstadt gewesen, die allgemein als eher hässlich und unsehenswert beschrieben wird.